Jugendräume Exil Lüdinghausen - History

1.1.Etymologie spezial:
die "Burg"; Institution, Bedeutung bedarf auf regionaler Ebene (im Umfeld von Lüdinghausen) keiner weiteren Erläuterung; bezeichnet nicht nur ein Gebäude, sondern auch das darin enthaltene Leben (Öffnungszeiten) keine Burg: umgangssprachlich für: geschlossen.

 

1.2.Vom Ende der Ghosthall zur Gründung der Jugendräume
Diese Dokumentation soll dreiundzwanzig Jahre "Burggeschichte" beschreiben und die Anfänge des Exils. Dreißig Jahre kontinuierlicher offener Jugendarbeit in Lüdinghausen, die vor Ort nicht immer gern gesehen wurde, aber dennoch einen sehr guten Ruf hat (auch überregional). Information über das "Burgleben" in seiner vielschichtigen Gesamtheit. Kurz, knapp, detailliert, informativ, spannend, abwechslungsreich, überschaubar, ausführlich, differenziert, aus allen Perspektiven, komplett, exemplarisch... Anstelle weiterer nicht oder nur teilweise einzulösender Versprechungen an dieser Stelle einige Worte zur Vorgeschichte der "Burg": Bereits vor der Legende gab es eine andere. Die Ghosthall (im Keller des VHS-Gebäudes an der Mühlenstraße) bestand in den sechziger Jahren zunächst als Jazzclub, entwickelte sich aber im Lauf der Zeit mehr und mehr zu einem Treffpunkt auch für nichtorganisierte Jugendliche. Als die Ghosthall Anfang der siebziger Jahre nach einer baupolizeilichen Untersuchung wegen zu geringer Deckenhöhe und fehlenden Fluchtwegen geschlossen wurde, entstand ein Vakuum, daß nur durch Notlösungen (Eisdielen und Kneipen) überbrückt werden konnte. Die Burg Lüdinghausen kam im Januar 1973 erstmals als möglicher Standort von Jugendräumen ins Gespräch, als der damalige Stadtdirektor Bröhl dem einstigen Leiter der Ghosthall, Michael Höcke, das Angebot unterbreitete, in der Burg erneut "eine Art Ghosthall" einzurichten. Da Michael Höcke nach einem Jahr Wartezeit keine Basis für eine Fortführung der Ghosthall sah und deshalb ablehnte, wurde das Junge Forum als möglicher Träger angesprochen. Zur offiziellen Übergabe der Jugendräume in der Burg Lüdinghausen kam es jedoch erst im März 1975. Bei der Übergabe gab es eine Umfrage zu den Interessen der Jugendlichen und zur Bildung verschiedener Arbeitsgruppen. In den folgenden Monaten wurden die Räume in Eigeninitiative ausgebaut. Am 28.06.75 schließlich wurden die Jugendräume mit einer Disco eröffnet. Im Januar 1979 löste die Stadt Lüdinghausen das Junge Forum e.V. als Träger für die Jugendräume ab. Dreiundzwanzig Jahre Burg - Besuchergenerationen von 1975 bis 1998. Einige Stichworte zum Thema Wandel der Jugendphase. Von der Mofamobilität zur automobilisierten Jugend. Vom Tanzabend zum Disco-Wochenendtourismus. Vom Kino zum Video. Vom Dreiprogrammfernsehen zum Kabel- und Satelliten-TV. Von der Schallplatte zur CD. Vom Doppelkopfspiel zum Computeradventure. Von der Jeans- und Parka-Einheitsmode zur Vielfalt nebeneinander existierender Jugendkulturen und -moden. Jugendliche als Zielscheibe von Werbeattacken. Jugend als gesellschaftliches Ideal. Zukunftsperspektiven angesichts des Arbeitsmarktes, des Zustandes der Umwelt...? Kommerzialisierte Interessen. Desinteresse. Langeweile. Action. Konkurrenz. Konsum. - und trotzdem Engagement. Beteiligung. Mitarbeit. Burgleben. Die Geschichte der Jugendräume einfach nur in Worte zu fassen, wäre einerseits nicht so einfach, andererseits auch gar nicht angemessen. Schließlich wurde diese Geschichte von mehr als fünfhundert ehren-, neben- und hauptamtlichen Mitarbeitern, vom Jungen Forum e.V., von Mitarbeitern der Stadtverwaltung, von Ratsmitgliedern und nicht zuletzt von unzähligen jugendlichen BesucherInnen mitgeschrieben. Mit Einzelheiten kann am ehesten etwas anfangen, wer auch tatsächlich DABEI war. Damit bei Jugendlichen von früher Erinnerungen und bei Jugendlichen von heute Interesse für früheres geweckt werden können, beschränkt sich die Chronik (wie schon die Ausstellung zum 20jährigen Jubiläum im Kapitelsaal) auf Dokumente, wie z.B. Zeitungsartikel, Fotos, Programmzettel, Plakate und erläuternde Kommentare. Wer mehr wissen möchte, kann für die erste Burglebenshälfte in den Festschriften zum fünf- und zehnjährigen Jubiläum nachblättern oder auch selbst im burgeigenen Archiv stöbern.

 

2. Umzug ( das Damoklesschwert und eine neue Perspektive )
Ein Wort, ein Thema, dass die Jugendräume fast 23 Jahre lang beschäftigt hat. Von Schließung der Jugendräume war zum ersten mal sechs Wochen nach Einzug der Jugendräume in die Burg Lüdinghausen die Rede. Im April 1978 gab Horst Wolske, Mitglied der SPD-Fraktion eine Bürgerinformation an alle Anwohner im Bereich der Kreuzung B 58, Selmer Str., An der Umflut, Tulpenstiege und des Windmühlenberges heraus. Er teilte mit, daß die Jugendräume aus der Burg Lüdinghausen auf das Betriebsgelände der Firma Ford Kaiser verlegt werden sollen. Die SPD-Fraktion hält diesen Standort nicht für den richtigen. Das neue Burgnutzungskonzept sieht 1991 eine Doppelnutzung von Verwaltung und Jugendräume vor. Die SPD äußert sich im Mai 1991, dass sie dem Nutzungskonzept nur zustimmen, wenn auch für die Jugendräume in der Burg eine deutliche Verbesserung der derzeitigen Situation ermöglicht wird. Sollten allerdings keine wesentlichen Verbesserungen an ihrem jetzigen Standort erreicht werden, dann müssten die Prioritäten anders gesetzt werden-Neubau. Im Juni 1993 stellte die Stadt den Antrag auf Landesmittel für die Nutzung der Burg Lüdinghausen als multikulturelles Zentrum - ohne Jugendräume. Der Rat der Stadt beschließt die Auslagerung der Jugendräume aus der Burg.

Das Gelände zwischen dem Amtsgericht und dem Boltzplatz an der Seppenrader Str. kristallisiert sich immer mehr als zukünftiger Standort für das HoT heraus, wie in der WN-Ausgabe vom 19.05.94 zu lesen war. Im September richteten die Jugendlichen mit einem Sitzstreik auf den Stufen der Burg die Aufmerksamkeit auf sich. Ihr Motto Burg bleibt Burg wurde mit den zur Ratsitzung gehenden Ratsmitgliedern kontrovers geführt. Im September 1995 legte das Bauamt der Stadt Lüdinghausen den ersten Entwurf für einen Neubau vor. Dieser Entwurf bildete die Basis eines Diskussions- und Planungsprozesses. Die HoT-Fan-Initiative sammelte parallel dazu Unterschriften im Rahmen eines Einwohnermeldeantrages. Auf einer Vollversammlung im Dezember 95 entschied die Mehrheit der Jugendlichen sich für einen Umzug in einen Neubau. Der wohl wichtigste Aspekt in diesem Zusammenhang ist die Frage nach dem warum? Zum einen wurde deutlich, dass eine Mehrfachnutzung der Burg Lüdinghausen auf Kosten der Jugendlichen und der Öffnungszeiten der Burg geht. Dem Leitungsteam wurde von einigen Leuten vorgeworfen, der Verwaltung und der Politik nach dem Mund zu reden, die Kurzfassung dafür lautete Verräter. Angesichts der damaligen Gegebenheiten, stellte das Leitungsteam verschiedene Überlegungen an, kam aber zu immer dem gleichen Entschluss- Auszug. Die Jugendräume wurden immer öfter aufgrund von Veranstaltungen im Kapitelsaal geschlossen. Das damalige jüngere Publikum hatte kaum einen Bezug zur Burg, im Gegensatz zu den älteren Besuchern. Realistisch und auch objektiv betrachtet, gingen die Überlegungen dahin, möglichst das jüngere Publikum wieder ins Jugendzentrum zu holen. Für das Leitungsteam und auch für die Mitglieder des LAK und Heimrates, war es keine einfache Entscheidung 

 

 

3. Das Exil
Der Neubau an der Seppenrader Straße wartete schon. Viele Mitarbeiter machten sich um Einrichtung, Gestaltung, Programm und Angebote Gedanken. Der Neubau sollte ein Ort sein, an dem sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene wohl fühlen sollten. Raum für Raum nahm Gestalt an, wurde farblich abgestimmt, und eingerichtet. Alle brauchbaren Gegenstände aus der Burg wurden in den Neubau integriert, so dass man sich schnell heimisch fühlen konnte. Eigeninitiative wurde groß geschrieben. Einer der großen Flüche der Burg, holte den Neubau ein!! Einbruch!!! Es ist kaum zu glauben aber war. Diebe entwendeten Ende Juni Geräte im Wert von 33000 DM. Dieser Diebstahl, von dem die Video-AG besonders betroffen war, schadete der gesamten Planung der Jugendräume. Nur der kollanten Versicherung ist es zu verdanken, dass Projekte nicht abgesagt werden mussten, da Ersatz schnell angeschafft werden konnte. Zwei Tage vor Neueröffnung sah es aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Niemand, der die Mitarbeiter der Jugendräume nicht kennt, hätte gewettet, dass alles bis zur Neueröffnung steht. Es klappte! Am 08.08.98 feierten die Jugendräume den ersten Tag an der Seppenrader Straße. Feierlich übergab der Stadtdirektor der Stadt Lüdinghausen, Richard Borgmann, den obligatorischen Schlüssel und bedankte sich bei allen, die den Neubau möglich gemacht haben. Während es den ganzen Tag über Aktivitäten für Kinder und Jugendliche gab, wurde abends bei einer guten Party abgerockt. Am 10.08.98 begann der Alltag in den Jugendräumen. HPM`s und Mitarbeiter waren gleichermaßen neugierig, wie das neue HoT von den Besuchern angenommen wird. Mit Erstaunen wurde festgestellt, dass viele Kinder und Jugendliche den Nachmittagsbereich zum Leben erweckten. Während es sich in der Burg immer schwieriger gestaltete, den Nachmittagsbereich mit jüngeren Jugendlichen auf zu peppen, kamen im neuen HoT von Anfang an jüngere Nachmittagsbesucher. Bald bildete sich ein fester Nachmittags-Besucherstamm, der erfreulicherweise einen hohen Mädchenanteil beinhaltete. Das Abendpublikum dagegen war recht rar gesät. Nur langsam kamen die alten Burgbesucher wieder, die sich nicht so richtig mit dem Neubau anfreunden konnten. Die Burg war die Burg, die Atmosphäre und das Flair waren einmalig, ja einzigartig. Im November hatte das HoT endlich einen Namen: EXIL!! Der Name Exil steht für „ neues Zuhause “, ein Platz, an dem man sich wohl fühlen soll. Für alte Burgleute hat dieser Name eine eigene Bedeutung. Jetzt hieß es, dem Exil eine eigene Atmosphäre und ein eigenes Flair zu geben. Auch im Exil steht an erster Stelle in Ruhe gelassen zu werden. Kein Druck, kein Zwang, keiner will was. Leute treffen, quatschen, und Musik hören. Exil heißt neu denken, neu planen und viel ausprobieren. Eine neue AG bildete sich im Januar: Breakdance. Die Jungs trainieren hart und nahmen am Tanzwettbewerb des Senders Eins Live auf der YOU 99 in Dortmund teil. Im März 1999 wird es Zeit, ein passendes Logo für die Jugendräume Exil zu finden. Nicht nur im Jugendzentrum bemühen sich die BesucherInnen kreativ zu sein, sondern auch in der WN wird die Lüdinghauser Bevölkerung um Hilfe gebeten. Im Juni entschied sich der Leitende Arbeitskreis der Jugendräume für den Entwurf des Architekten Grube.

Im Juli ist das HoT an einer dreiwöchigen deutsch-französischen Jugendbegegnung beteiligt, die zur Zeit vom IBW-Euroinstitut durchgeführt wird. Die Vorbereitungen für das 5. First-Step-Festival im Oktober laufen auf vollen Touren. Es wird zum ersten Mal in den Jugendräumen stattfinden und nicht als Open-Air im Innenhof der Burg Lüdinghausen. Das Christmas Festival bildet, wie immer den Abschluss des Jahres und ist immer noch Treffpunkt alter Burgleute. Leider ging der Besucherrückgang auch im zweiten Exil-Jahr im Abendbereich weiter. Gab es am Anfang noch die Hoffnung, den Abendbereich wieder attraktiver zu gestalten, durch neue Ideen aufzuwerten, blieb das Publikum aus. Im Nachmittagsbereich bildete sich ein Stammpublikum. Das neue Jahrhundert ist für die Jugendräume nicht nur ein neues Jahrhundert, das HoT feiert sein 25 jähriges Bestehen. Leider konnte der geplante Sampler nicht produziert werden. Mal wieder ein Open Air - ja warum nicht! Am 28.08.00 spielten Inside Mary, Answer und Nutellica im Innenhof der Burg Lüdinghausen. Für die ehemaligen Burg-Leute war es ein seltsames Gefühl, wieder in der Burg zu sein. Viele haben sich die neuen Räumlichkeiten zum ersten Mal angesehen und waren von den Veränderungen beeindruckt. Alle haben sich aber an die alten Zeiten erinnert und so wurden an diesem Abend viele Geschichten und Anekdoten erzählt. Am 29.09.2000 gab es dann auch eine Veranstaltung für die Jüngeren. Zunächst stand die Mr. Jugendzentrums-Wahl auf dem Programm. Der Arbeitskreis Mädchen des Kreis Coesfeld, präsentierte dem Publikum mutige junge Männer, die in den jeweiligen Jugendzentren zum Mr. bzw. Vize Mr. gewählt wurden. Unter der Leitung von Jürgen Matz, Mitarbeiter des Kreisjungendamtes, und Nicole Gerlach, ehemalige Leiterin des Modells Senden, gaben sich die Jungs große Mühe, die Jury zu beeindrucken. In verschiedenen Kategorien wie Allgemeines Wissen, Spontanität, oder auch Talent, gaben die Jungs ihr bestes. Dem Sieger, winkte ein Wochenende für zwei Personen in Paris. Der zweite und dritte Platz wurde mit einem Geldgutschein belohnt. Nicht nur, weil die Veranstaltung in Lüdinghausen stattfand, kam der Sieger aus den Jugendräumen Exil. Hicham Ayyad präsentierte sich der Jury in allen Bereichen als würdiger Teilnehmer. Vor allem aber seine Gesangs- und Breakdance Einlage beeindruckte nicht nur die Jury, sondern alle Besucher im Zelt.Die gesamte Veranstaltung, an der Jugendzentren aus Senden, Billerbeck, Coesfeld und Olfen teilnahmen, brachte allen Jugendlichen viel Spaß und war von Fairness gezeichnet. Am 30.09.2000 fand dann die riesen Party in Zusammenarbeit mit der Music Factory statt. 1500 Besucher waren begeistert und tanzten bis spät in die Nacht. 

 

Am 11. und 14. September 1998 hatten alle Besucher der Jugendräume Gelegenheit, sich an der Wahl eines Namens für die Jugendräume zu beteiligen. Die Mehrheit entschied sich für den Namen Exil. 

 

 

Mitbestimmung
Mit der Einstellung der hauptamtlichen Kraft und der Genehmigung der HoT Förderung, löste die Stadt Lüdinghausen im Januar 1979 das Junge Forum in der Trägerschaft ab. Der Arbeitskreis Jugendräume wurde umbenannt in den Leitenden Arbeitskreis ( LAK). Es wurde ein Heimrat eingerichtet, der als Vermittlungs- und Kontaktorgan zwischen Stadtverwaltung und Stadtrat auf der einen und dem Jugendzentrum auf der anderen Seite fungieren sollte. Die erste Heimratsitzung fand am Mittwoch, den 14. März 1979 um 18.30 Uhr statt. Der erste Heimratsvorsitzende, Adolf Maßmann, wurde am 21.01.80 gewählt.

 

6. Vom HOTZ zum Videomagazin ( ein Beitrag von Erol Moumin )
Schon lange gab es in den Jugendräumen die Vorstellung, eine eigene Hauszeitung herauszubringen. Diese Zeitung sollte sich nur oder fast aktuelle Geschehnisse in den Jugendräumen konzentrieren ( Programmkalender, Konzerthinweise, Arbeitskreise etc. ). Diese Idee, wurde 1979 von einem Arbeitskreis, bestehend aus ehrenamtlichen Mitarbeitern ( u.a. Andreas Alba, Ulla Dippel, Gudrun Jahnke, Bernd Schöler, Michaele Arntzen ) umgesetzt. Unter dem Namen HOTZ erschien eine zunächst vierseitige Ausgabe mit Programm- und Veranstaltungshinweisen. Abgelöst wurde das HOTZ nach einem Jahr durch den „ Journal “. Mike Oberhaus, Ralf Schmatzler, Andreas Schmidt und andere übernahmen die Federführung bis Ende 1985. Nach einer kurzen Pause wurde das Journal durch die Hauszeitung „ Teekanne “ abgelöst. Rene Irmler, Angelika Richter, Nils Banse, Friedhelm Wenning, Christian Ellerich, Astrid Wolfgramm und andere übernahmen die Projektleitung. Nach wenigen Ausgaben war der Arbeitskreis auf eine einzige Person zusammengeschrumpft und stellte kurz darauf die Arbeit ein. Von 1990 bis 1992 startete eine neue Zeitungs-AG. Erol Moumin, Thomas Fritzen und Martin Merkens waren die Herausgeber von der Hauszeitung „ Pinnwand “. Trotz der großen Leserbereitschaft mußte die Zeitung wegen mangelnder Reaktionsmitarbeiter 1992 eingestellt werden. Der Fortschritt hielt auch Einzug im HoT. Da die „ Zeitung “ out war, musste ein neues Medium gefunden werden. Dieses Medium hieß „ Video “. Das Videomagazin war da und erhielt ungeteilte Aufmerksamkeit der Jugendlichen. Das Videomagazin berichtet zum einen aus dem Alltag der Jugendräume, d.h. Situationen, Begebenheiten, Gremiensitzungen, Veranstaltungen und zum anderen werden aktuelle Themen aufgegriffen. Während das Videomagazin am Anfang nur während der normalen Öffnungszeiten gezeigt wurde, ging es ab November 1996 auch an Lüdinghauser Schulen auf Sendung. In den Pausen konnten sich interessierte Schüler über Programm und Angebote der Jugendräume informieren. Vorführungen fanden aber auch im offenen Kanal Münster statt. Das Team des Videomagazins arbeitet sowohl mit den Schulen, als auch anderen Institutionen wie z.B. der Kripo in Coesfeld zusammen. Interessierte Jugendliche können sich beim Video-Team informieren, an Workshops teilnehmen oder lernen, wie professionell geschnitten wird.

 

Götterspeise, Kuddelmuddel und die Theaterkultur in der Burg ( mit einem Beitrag von Friedhelm Wenning )
Im Dezember 1979 führt die erste Theatergruppe der Jugendräume das Stück Mülltonnen-Ali auf. Vor rund 160 Zuschauern in der Aula der Realschule führten die sieben Akteure das Stück von Hans Baumann auf. In diesem Stück sind junge Rollschuhfahrer, die sich gegen einen allzu strengen Hausmeister zur Wehr setzen. Dabei geht es auch um die Eingliederung von Ausländerkindern. Noch mehr Farbe bekam das Stück, als das Publikum aktiv in das Bühnengeschehen miteinbezogen wurde. Im Oktober 1981 trafen sich auf Anregung des Praktikanten Friedhelm Wenning rund zehn Gäste der Jugendräume, um eine Theatergruppe zu gründen. Niemand hätte damals geglaubt, dass die Gruppe, deren Name „ Götterspeise “ schnell gefunden war, zu einem solchen Dauerbrenner werden würde: „ Füße vom Tisch “ hieß das erste abendfüllende Stück, dem damaligen Alter der Mitglieder ( um 16 ) entsprechend war es natürlich ein Jugendstück. Mit „ Der Darsteller “, einer Theateradaption eines Sciene-Fiction-Romans, dem selbstgeschriebenen Stück „“ Der Haiwitz “, der ebenfalls selbstgeschriebnenen Dallas-Parodie „ Who killed Karl-Heinz Kowalski “, dem Curt Goetz Klassiker „ Der Lampenschirm “ oder der B-Movie-Adaption „ Breakfast Club “ folgten weitere abendfüllende Stücke. Doch Götterspeise war auch bei anderen Anlässen immer präsent. Die Gruppe war Stammgast der Talkshows der Jugendräume Burg Lüdinghausen, begleitete Autorenlesungen mit szenischen Stücken, gestaltete einen Tucholsky-Abend, war Gast der 750-Jahr-Feier des Kreises Coesfeld und, und, und. Ende der 80er Jahre trennte sich Götterspeise vorübergehend von den Jugendräumen, doch da der Gruppe nirgendwo bessere Proberäume geboten werden konnten, kehrte sie bald zurück. Und nicht alleine: mittlerweile hatten sie sich mit der Theatergruppe Kuddelmuddel vereinigt. Kuddelmuddel war ebenfalls zu Beginn der 80er Jahre von der damaligen Leiterin der Jugendräume Michaele Arntzen ( heute Möllers ) gegründet worden. Die Gruppe spielte zunächst Kindertheater - Mülltonnen-Ali - vergrößerte jedoch schnell ihr Repertoire. Nach dem Ausscheiden von Michaele, übernahm Friedhelm Wenning auch die Leitung von Kuddelmuddel. Die Gruppe machte sich mit einem Brecht Abend einen Namen, feierte ihren größten Erfolg mit dem Stück „ Sarah “, das den dritten Platz beim Jugendtheaterfestival Nordrhein-Westfalen belegte. Mit „ Sechs gegen die Veflixte Hex “ schrieb sie zudem ein abenfüllendes Stück. Mit 19 Jahren wären sicherlich noch mehr Aktivitäten möglich gewesen. Doch da sich die Gruppe- außer vor Auftritten- nur einmal wöchentlich treffen kann, zudem immer wieder Probenabende aus privaten oder beruflichen Gründen abgesagt werden mussten und müssen, geht die Arbeit oft nur schleppend voran. Dennoch ist die Begeisterung für das Theaterspielen weiterhin vorhanden, derzeit steht Götterspeise wieder vor einer Premiere, einem Abend mit Sketchen der legendären Komiker-Truppe „ Monty Python`s Flying Circus “. Was wieder einmal die Bandbreite von Götterspeise deutlich macht: von der Komödie, über Tragödie bis hin zu Sketchen, Götterspeise ist auf keine Richtung festgelegt, die Mitglieder der Gruppe - im Laufe der Jahre mögen es an die 50 gewesen sein - sind immer um Vielfalt bemüht.